Gehaltswünsche nennen

Gehaltswünsche im Bewerbungsschreiben nennen?

Oftmals wird bei Bewerbungsschreiben ein großer Bogen um dieses Thema gemacht. Man möchte sich nicht gleich vorweg disqualifizieren. Manch einer findet es unhöflich oder auch nicht passend. Googelt man jenes Thema, kommt man immer wieder auf die gleiche Antwort: „Steht die Nennung des Gehaltswunschs nicht ausdrücklich im Stelleninserat, sollte jene unbedingt vermieden werden.“

Diese Vorgehensweise bezieht sich jedoch nur auf Berufsanfänger bzw. Einsteiger. Die Nennung des Gehalts ergibt hier meiner Meinung nach auch wenig Sinn. Einstiegsgehälter sind oftmals ersichtlich und siedeln sich diesbezüglich auch immer in der Nähe des Kollektivvertrages an. Der Berufseinstieg selbst hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Konnte man früher mit wenigen Bewerbungen einen Job landen (und übte diesen schlussendlich bis zur Pension durch) wird heutzutage mit Assesment-Centern und einer Vielzahl von Bewerbungsgesprächen geantwortet. Der neueste Trend kommt wieder einmal aus Übersee. Tech-Unternehmen filtern den Bewerber-Pool ausgesprochen stark. 

Folgenden Prozess musste ein Bewerber bei einem Fortune 500 Unternehmen durchführen:

  • Interview mit dem Recruiter (Telefonisch – 30 Minuten)
  • Computergenerierter Persönlichkeitstest (45 Minuten)
  • Interview mit dem Recruiter über den Test (Zoom 30 Minuten)
  • Interview mit dem Abteilungsleiter und dem Recruiter via Zoom (45 Minuten)
  • Hausübung (Programmierarbeit) inkl. Abgabe (8 Stunden)
  • Interview über das Projekt mit dem Recruiter und dem Abteilungsleiter via Zoom (1 ½ Stunden)
  • Interview mit dem Gebietsleiter, dem Abteilungsleiter und dem Recruiter vor Ort (2 Stunden)
  • Generische Absage via Mail ohne Nennung von Gründen.

So sieht oftmals der Bewerbung in Softwareunternehmen für Berufseinsteiger aus. Gehaltswünsche wurden bis dato nicht gefordert oder auch nicht berücksichtigt. Der Bewerbermarkt ist übersättigt.

Besitzt man jedoch mehrere Jahre an Berufserfahrung und ist in seinem Bereich bereits etabliert, spricht nichts gegen die Nennung eines Gehaltswunsches. Oftmals werden Urlaubstage für Bewerbungsgespräche benötigt. Einen ganzen Bewerbungsprozess durchzumachen, um am Schluss zu erfahren, dass es aufgrund des gewünschten Gehalts zu keiner Anstellung kommt, ist hier nicht zielführend. Weder für die Recruiter bzw. das Unternehmen noch für den Bewerber.

Die Nennung des Gehalts wird im Regelfall am Ende des Bewerbungsschreibens erwähnt. Jene kann auf verschiedene Arten erfolgen.  

Neben der einfachen und klaren Nennung: „Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 53.000 Euro brutto pro Jahr.“, kann man seinen Gehaltswunsch auch mit Expertise und Knowhow untermauern. „Aufgrund meiner beruflichen Qualifikationen und meinem Knowhow im Bereich XY sowie den oben erwähnten Kenntissen strebe ich ein Jahresgehalt von 90.000 Euro brutto p.a. an.“

Vorsicht sollte man immer bei Gehaltsspannen walten lassen. „Mein Gehaltsvorstellung liegt zwischen 40.000 – 50.00 Euro brutto pro Jahr.“ Hier wird immer der niedrigere Wert angenommen.

Die Nennung des Gehalts wird oftmals als verpönt oder unprofessionell angesehen. Dies liegt oft auch am Bezug zu Geld im deutschsprachigen Raum. Über Geld redet man bekanntlich nicht.

Nichtsdestotrotz sollte hier der Spagat zwischen Professionalität und investierter Zeit berücksichtigt werden. Man arbeitet schlussendlich zum Spaß. Spätestens im Bewerbungsgespräch kommt jene Frage sowieso auf.

Wieso also die Zeit von beiden Parteien verschwenden?